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Auszug
aus Paul Spiegel, WAS IST KOSCHER? Jüdischer Glaube
- jüdisches Leben, Ullstein, München (ohne Jahresangabe;
Vorwort 1993; Neuauflage
2003)
| Auszug
S. 182ff: Das Schächten
Wir haben also jetzt sechs Grundregeln des Kaschrut
vor uns. Doch damit ist das Fleisch noch lange nicht
koscher! Denn es kommt auch darauf an, wie ein Rind
geschlachtet und zubereitet wird. Und deshalb ist
ein Rindsteak in einem nichtkoscheren Restaurant
genauso trefah, also nichtkoscher wie Schweinefleisch.
Nach Jüdischem Glauben ist das Blut der Sitz
der Seele. Wir dürfen Tiere töten, nur
weil wir sie essen wollen, aber wir müssen
Respekt vor der Kreatur Gottes wahren, indem wir
ihre Seele unberührt lassen. Um dies zu gewährleisten,
müssen die Tiere in einer ganz besonderen Art
des Weise geschlachtet werden. Die jüdische
Art des Schlachtens heißt auf Hebräisch:
Schechita, auf Deutsch: Schächten.
Viel dummes Zeug wird in der Öffentlichkeit
über das Schächten verbreitet. Darum gebe
ich hier eine detaillierte Erklärung des sagenumwobenen
jüdischen Schlachtens:
-
Nicht
jeder Jude darf ein Tier schächten. Es
bedarf dazu eines Schochet, eines speziell
geschulten Schächters. Dieser Mann hat
nicht nur die Technik gelernt, sondern er kennt
die Regeln des Kaschrut und des Schächtens,
die im Talmud in allen Details erläutert
werden, ganz genau. Und er muss ein in jeder
Hinsicht frommer Mann sein.
-
Denn das Schächten eines Tieres wird als
heilige Angelegenheit mit einer besonderen Verantwortung
verstanden. Es ist keine Kleinigkeit, ein Geschöpf
Gottes einfach zu töten!
-
Das Schächten erfolgt mit einem speziell
dafür vorgesehenen Messer mit einer hyperscharfen
Klinge, die vor jedem Schächtvorgang überprüft
werden muss. Ist sie stumpf oder hat sie an
irgendeiner Stelle eine Unebenheit, darf sie
nicht benutzt werden, das würde Tierquälerei
bedeuten. [Jeder Schochet steht unter Aufsicht
eines Rabbinats und muss dort regelmäßig
seine Messer zur Prüfung vorlegen.]
-
Das rituelle Schlachten erfolgt, nachdem der
Schächter, der Schochtet, einen Segen über
die Schächtung gesprochen hat.
-
Er muss die Kehle des Tieres in einem Zug durchschneiden.
Das dauert eine knappe Sekunde, und damit sind
die Luft- und die Speiseröhre sofort durchtrennt,
ebenso wichtige Nervenstränge, die Halsschlagadern
und die Drosseladern.
-
Diese Durchtrennung führt dazu, dass das
Tier nur knapp zwei Sekunden nach dem Kehlschnitt
bewusstlos ist.
-
Selbst der Schnitt tut dem Tier nicht weh, er
geht so schnell, dass der Schmerz gar nicht
richtig einsetzten kann. Wir Männer kennen
das, wenn wir uns beim Rasieren schneiden. Es
dauert eine Weile, bis wir überhaupt merken,
dass wir uns geschnitten haben!
[...]
Diese für manche Leser vielleicht zu präzise
Beschreibung des Tötungsvorgangs ist deswegen
wichtig, weil, wie schon angedeutet, gerade das
Schächten von Antisemiten gerne als Vorgang
dargestellt wird, der beweist, wie "grausam"
Juden sind.
[...]
Das Blut ist tabu! Und eben darum muss geschächtet
werden, denn das ist die einzige Tötungsart,
bei der das Blut nicht in das Fleisch eindringt.
Und, Physiologen und Veterinärärzte bestätigen
es: Das Schächten ist die humanste Methode
der Tierschlachtung.
Wenn ich daran denke, auf welche Weise Tiere in
der nichtjüdischen Welt getötet werden,
dann weiß ich nicht, was brutaler ist. Sie
werden herumgehetzt, bis sie, das Fleisch durch
ihre Panik bereits voller Stresshormone, einen Bolzenschuss
abbekommen, und dann irgendwie abgeschlachtet. Es
ist nicht die Sache der Juden, diese Form der Tierschlachtung
zu kritisieren. Umgekehrt gilt jedoch dasselbe!
Zitat
Paul Spiegel |
Sehr
geehrter Herr Spiegel,
zunächst
Glückwunsch; Sie haben sich wieder einmal durchgesetzt.
Wenn Sie so weitermachen, wird Deutschland samt Regierung
und Parteien ein Land der Duckmäuser und Schleimer.
Man kann sich über die bewusste Rede streiten, und
zwar in der Hinsicht, ob solche Vergleiche aus der Geschichte
zulässig sind; antisemitisch war sie jedenfalls nicht!
Mir jedenfalls waren viele der angeblich antisemitischen
Klischees total unbekannt. Das Ziel der Rede war, sich gegen
die Bezeichnung Deutschlands als Tätervolk noch ca.
60 Jahre nach dem Holocaust zu wehren, und so sehr strittig
ist, ob es zulässig ist, dazu Vergleiche aus der Geschichte
heranzuziehen; letztendlich kam auch Hohmann zur Erkenntnis,
dass man auch das jüdische Volk nicht als Tätervolk
bezeichnen kann. Im übrigen verwahrte sich in der Sendung
"Sabine Christiansen" auch Herr Schily gegen die
Bezeichnung Deutschlands als Tätervolk. Muss er nun
auch bald gehen?
Jetzt
zu obigem Text: Sie dürfen offenbar unwiderfochten
sämtliche Aussagen von anerkannten Veterinären
(einschließlich der Bundestierärztekammer) zum
betäubungslosen Schächten als
"Unsinn" bezeichnen.
Das
Schächtgeschehen im Sekundentakt haben Sie offenbar
Levinger entnommen, nicht entnommen haben Sie Levinger,
dass es auch auf jüdischen Schlachthöfen zu Massenschächtungen
kommt (vgl. Levinger, Schechtia, S. 43). So gesehen ist
ihr durchaus berechtigter Seitenhieb auf hiesige Schlachthofverhältnisse
schon etwas eigenartig. Und ich teile auch ganz und gar
nicht Ihre Meinung, dass Sie hierzu nichts Kritisches sagen
dürfen; im Gegenteil, hier sollten Sie Ihre Kritik
laut, sehr laut äußern! Zu dem 3-Sec-Takt Levingers.
Nun,
unbenommen der Tatsache, dass Levinger in seinem Buch neuere
Arbeiten berücksichtigt hat, stammen seine eigenen
Untersuchungen aus seiner Doktorandenzeit, und die ist schon
eine Weile her. Nach Aussage des TVT sind heutige Messgeräte
feiner und genauer. Ich glaube nicht, dass sich die Angaben
Levingers halten lassen.
Noch
eins: Zu dem Schächtschnitt selbst (Dauer weniger
als eine Sekunde) ein Zitat aus Levinger, Schechita,
S. 21: "Sofort nach den erfolgten Vorbereitungen des
Tieres zum Schächten (sic. die Fixierung des Tieres,
die Sie vornehm verschweigen) macht der Schochet (der religiöse
Durchführer des Schächtens) ein oder zwei Schnitte
durch den Hals und trennt dabei alle Weichteile des Halses,
wie es oben beschrieben ist [...]. Die Wunde klafft auf
und der Blutstrom fließt ungestört heraus."
Ungeachtet der Tatsache, dass hier Levinger selbst zugibt,
dass der Schächtschnitt keinesfalls immer gleich ausgeführt
wird (und bei den zwei Schnitten dürfte die sowieso
zweifelhafte Angabe unter einer Sekunde hinfällig sein),
wird hier noch verschwiegen, dass sehr oft Nachschnitte
erforderlich sind, weil der Blutaustritt durch Verkrustung
der Blutaustrittstellen nicht mehr gewährleistet ist.
Und das alles ohne jegliche Betäubung!
Wissen Sie, was ich denke, sehr geehrter Herr Spiegel, Sie
haben weder Levinger noch andere Publikationen zum betäubungslosen
Schächten gelesen, sondern nur erfreut die 3-sec-Theorie
von Levinger (inzwischen xmal widerlegt!) herausgenommen,
um Ihre Gemeindeglieder, die in der Regel sehr tierlieb
sind, zu beruhigen. Aber es lassen sich eben nicht alle
beruhigen!
Dazu ein Zitat, entnommen Hartinger, Schächten, S.
47 (das Buch liegt Ihnen inzwischen vor), und zwar des Autors
J.G. in der israelitischen Zeitschrift 'Natur und Gesundheit'
vom Mai/Juni 1964 unter dem Titel 'Das Gemetzel im Schlachthaus'
als seine Stellungnahme zum Schächten angeführt:
Das
Rind liegt auf dem Rücken, seine Beine sind mit Ketten
gebunden und gegen die Decke ausgestreckt. Das Maul ist
am Boden mit einem Eisenring fest gespannt.
Der
ausgestreckte Hals wird in seiner ganzen Tiefe bis an
die Wirbelsäule durchschnitten. Das Leiden ist schrecklich!
Das Blut fließt wie eine immer stärker werdende
Quelle. Das Todesringen dauert bis zu 13 Minuten.
Jeder,
der Zeuge war solch einer grauenhaften Tötung, jeder,
der den Todesschrecken gesehen hat, der aus den Augen
des ermordeten Tieres sichtbar ist, wird diese Schau,
die in ihrer bestialischen Grausamkeit gegen den Himmel
schreit, niemals vergessen!
J.G.
Ach
übrigens, aus äußerst zuverlässiger
jüdischer Quelle weiß ich, dass viele Schochets
ihre Tätigkeit nicht allzu lange aushalten. Kein Wunder
(s. obigen Bericht).
Und
von gleicher zuverlässiger Quelle weiß ich, dass
die große anfallende Blutmenge auf jüdischen
Schlachthöfen mit Sägespänen vermischt als
Hühnerfutter verwendet wird. So viel zum Respekt vor
der Seele des geschlachteten Tieres! Ich finde, wenn Sie
es da schon so genau nehmen, dann sollte das Blut jedenfalls
in die Erde fließen und nicht als Hühnerfutter
Verwendung finden.
Im
übrigen ist nach Dtn 12 jedes unbetäubte Schächten
eine sehr profane Angelegenheit; denn gerade in diesem Text
wurde ja die profane Schlachtung freigegeben. Die eigentlichen
Opfer gibt es ja seit 70 neuer Zeitrechnung nicht mehr.
Warum, wenn es doch Möglichkeiten der Betäubung
der Tiere gibt, wenden sie diese nicht an bzw. verbieten
Sie diese noch immer?
Nun
ja, Sie sind eher Künstler - ich bin eine Bauerntochter,
die diese Tiere, um die es geht, großgezogen hat und
auch mit den erwachsenen Tieren sehr vertraut war. Ich glaube
nicht, dass Sie meinen Schmerz und meine Wut ermessen können,
wenn ich
sehe, wie das orthodoxe Judentum bei der Schlachtung mit
ihnen verfährt. Bitte, halten Sie mir jetzt nicht entgegen,
dass ich mich nur um jüdische Verfehlungen gegenüber
Tieren kümmere; ich gehe genauso gegen christliche/säkulare
Verfehlungen gegenüber Tieren an. Aber gerade vom Judentum
bin ich unendlich enttäuscht!
Sie
sind das auserwählte Volk Gottes! Und Sie sollten ein
Vorbild in allen Dingen für die anderen Völker
sein, das ist insbesondere Ihr Auftrag in dieser Welt. Aber
was sehe ich! Sie haben noch immer die gleiche Halsstarrigkeit,
die in der jüdischen Bibel Ihrem Volk des öfteren
bescheinigt wurde.
Ich
denke, eines Tages treffen wir uns vor Gott wieder. Mal
schaun, was Er zu dem unbetäubten Schächten Seines
Volkes angesichts der möglichen Betäubung (die
übrigens gar nichts am Blutaustritt ändert) sagen
wird!
Hochachtungsvoll
Ines Odaischi
PS:
Zu Ihrer Aussage: "Wir dürfen nur Tiere schlachten,
wenn wir sie essen wollen". Nein! Sie dürfen Ersatztiere
schlachten, wenn das geschächtete Tier Ihren Trefotvorschriften
nicht entspricht. Und die sind mannigfach; es genügt
schon eine verklebte Lunge (die mich überhaupt nicht
wundert, da insbesondere das Rind in seinem Todeskampf den
aus der gleichfalls durchgeschnittenen Speiseröhre
austretenden Vormageninhalt in die Luftröhre bekommt).
Dazu noch eine Frage: Wohin gerät denn das Fleisch
der Tiere, die sie nach ihren Trefotbestimmungen nicht mehr
als zum Verzehr für Juden geeignet halten?
Übrigens,
nur zu Ihrer Information: Im Judentum wird nicht die Kehle
durchschnitten, sondern der Schnitt erfolgt unterhalb des
Kehlkopfrings. Sie hätten Levinger vielleicht doch
etwas besser studieren sollen!
Leserbrief
Ines Odaischi
Die
Aussage von Paul Spiegel in seinem Buch zum betäubungslosen
Schächten, das Tier sei "nach dem Kehlschnitt
in knapp zwei Sekunden bewusstlos" und "Schächten
sei die humanste Methode der Tierschlachtung" ist falsch
- schlicht Geschmacklosigkeit, sein Versuch, den Schächtschnitt
mit einer Schnittverletzung beim Rasieren vergleichend zu
verharmlosen.
Dr.
med. Werner Hartinger zum Schächtvorgang: "Das
Tier leidet furchtbar bis zu 13 Minuten. Austretender Vormageninhalt
wird aus der durchtrennten Speiseröhre in die Lungen
aspiriert. Erstickungsanfälle und schreckliche Todesangst
sind die Folge. Während des langsamen Ausblutens thromosieren
und verstopfen vielfach Gefäßenden der vorderen Halsarterien,
so dass regelmäßig nach geschnitten werden muss
[...]"
Nicht
umsonst ist betäubungsloses Schlachten laut Tierschutzgesetz
verboten und lehnt die Bundestierärztekammer vehement
seit jeher "jedes Schlachten ohne Betäubung aus
Tierschutzgründen ab."
Quelle: Arbeitskreis für Umweltschutz
und Tierschutz,
Bundesarbeitsgruppe gegen Tierversuche und betäubungsloses
Schächten. Ullrich Dittmann/09.11.2003. Weitere Informationen
unter www.tierschutz-online.de
Linktipp: Fragen-und-Antwort-Katalog:
Schächten
- Behauptungen und Antworten (pdf)
Arbeitskreis
für Umweltschutz und Tierschutz
Aus
einem Leserbrief: "Ich bin gelernter Metzger, war 15
Jahre in diversen Schlachthöfen und habe selbst geschächtet.
Der Artikel entspricht nicht den Tatsachen. Die Rinder stöhnen
10 Minuten lang und der Schächter muss zweimal die
verkrusteten Blutgefäße nach schneiden. Dabei
zeigt das Tier noch gezielte Abwehrbewegungen. Ich finde
das unmöglich bei der heutigen Betäubungstechnik.
Bitte belegen Sie mir die Tierärzte mit Name und Anschrift,
die schächten als human bezeichnen."
Metzger
Burkhard Marterer, Lindau
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